Der Blick in die Welt der autodidaktischen Künstler

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Werkschau Stahl & Farbe

Henning Block & Sylvia Aevermann


Logosieros - Kurzgeschichte

PROLOG

"Germania, du Schöne, wo ist sie?" Nützt es überhaupt, wenn ich ihr schmeichele?
"Du willst sie doch nur solange, wie du sie NICHT hast!", antwortete sie.

"Dieser Traum hat tiefe, mythologische Bedeutung", sagte der Psychiater und hob gewichtig seinen Finger.
"Ja, ich suche die Frau", sagte ich. "Und nicht den tieferen Sinn irgendeiner Mythologie!"
Ich war sowieso nur Carol zuliebe bei ihrem Psychiater, Seelenklempner oder Korkendreher ist wohl passender.
"Allerdings", fuhr er fort, "nach all den Monaten, bei ihren Möglichkeiten, glauben Sie nicht, daß diese Frau nur in Ihrer Phantasie existiert?"
"Das sie nicht nur in meiner Phantasie existiert? Ja."
"Suchen Sie nicht eher etwas, das Bestand hat? Wie die Kunst? Projizieren Sie nicht Ihr ganzes Begehren auf diese Frau, die Sie nicht finden können?" Aufmerksam und gleichmütig blickte er mich an.
"Soll ich Ihnen sagen, was die Künstlerin über die Kunst gesagt hat?", fragte ich.
"Bitte."
"Die Kunst ist eine Hure, die du ficken musst!"
"Wissen Sie, SIE brauchen keinen Psychiater, wie Sie mich nennen", sagte er, - das machte ihn gleich sympathischer: "Verrennen Sie sich nicht in Ihre Idee. Was Sie am Ende finden, ist sowieso nicht das, was Sie gesucht haben. Ihnen ist eine Muse erschien. Vielleicht die Schicksalsgöttin selbst, von der Sie reden. Tun Sie endlich etwas, das Sinn macht."
"Ja!", ich sprang auf. "Das ist es. Ich werde eines von den Dingen tun, die ein Mann in seinem Leben tun sollte. Ein Buch schreiben. Es überall vermarkten, es jeder Künstlerin senden............"



LOGOSIEROS

August 1997.
"Winston", rief ich ins Telefon. "Ich habe gerade einen reizenden Abend mit deiner zweiten- und vierten Ex- Mrs.... verbracht, bis sie endlich deine Nummer herausgerückt hat."
"Du bist in Hamburg?", fragte Winston erstaunt.
"Ja, eine kleine Europareise tut von Zeit zu Zeit gut."
"Und?", sagte Winston amüsiert. "Hast du schon etwas entdeckt, was deine Leidenschaft weckt?"

Meine Leidenschaften gelten Wetten, Sammeln und Jagen. Wobei das Sammeln sich meistens auf Sportwagen beschränkt und die Jagd sich auf schöne Frauen. Die Reihenfolge sich jedoch stetig ändert.
"In Rom habe ich einen schönen Wagen gekauft ", antwortete ich. "Paris war eher uninteressant. Die Französinnen gingen mir mit ihrem mon`cher langsam auf den Geist. Ich habe ein paar Kisten Champagner zu dir nach Hamburg schicken lassen. Doch darin hat Carol gestern gebadet. Ich habe nur zwei Flaschen für dich sichern können und die überreich ich dir höchst persönlich."
"Wie hast du Carol dazu gekriegt, überhaupt mit einem meiner sexistischen, widerwärtigen Yuppiefreunden zu sprechen? Sie ist durchgedreht, als sie die Fotos neulich aus New York entdeckte."
"Ich hab sogar ein paar fantastische Fotos von Carol für dich geschossen. Ihr glaubhaft versichert, das es sich bei den Frauen um äußerst gerissene Werkspioninnen handelte und wir lediglich ihre Tarnung auffliegen ließen. Sozusagen eine Frage der nationalen Sicherheit", erwiderte ich.

Winston lachte: "Ich wette du könntest selbst in einer Schlammwüste jemandem eine Gesichtspackung aus Schlamm verkaufen."
"Dann", fuhr ich fort, "hat sie reumütig erklärt, das sie in deine Arme zurückkehrt. Ich konnte sie gerade noch davon abhalten, sofort in den nächsten Flieger zu steigen und erklärte ihr, das es psychologisch gesehen sinnvoller wäre, wenn sie dich noch eine Weile schmoren lässt."
"Heirate bloß nie Sunny", sagte Winston. "Du handelst dir nur jede Menge Ärger damit ein."
"Die Frau die ich heiraten würde, müsste erst noch geschaffen werden", sagte ich. "Mir reicht das Abenteuer."
"Pass auf, du steigst in den nächsten Flieger und wir verunsichern das Nachtleben von Berlin."
"Ich sehe mir Morgen noch einen Wagen an und komme damit nach Berlin", sagte ich.
"Vergiss es", sagte Winston. "Deutschland ist Stauland, du brauchst zwei Tage bis Berlin."
"Wenn ich eine reizende Reisebegleiterin finde, könnte ich mir die Zeit sicherlich sinnlich vertreiben", entgegnete ich.
"Die deutschen Frauen", sagte Winston: "Pah! Arrogant und unrasiert."
"Winston", sagte ich erstaunt, "erzähl mir nicht, du lebst zwei Jahre in diesem Land und hast noch keine Deutsche getroffen, deren wegen sich kein Abenteuer lohnt?"
"Was glaubst du", fragte Winston lachend, "such ich dann in den Staaten? Jedenfalls lass ich meinen Wagen am Flughafen für dich stehen. Schlüssel brauchst du keinen. Sensorsicherung, du hebst die Sperre mit deinem linken Daumenabdruck auf dem Touchpad auf."
"Eine neue Erfindung von dir", fragte ich gespannt, "können wir es auf den Markt bringen?"
"Bis das auf dem Markt ist, gibt es schon mindestens drei Hacker die das Programm knacken können", erklärte Winston ungerührt.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag und lächelnd eröffnete ich die Jagdsaison. Für einen Jäger ist jeder Wald interessant. In der Hotelbar handelte ich mir in der nächsten Stunde zwei Ohrfeigen ein, nachdem ich zwei Frauen fragte, ob sie rasierte Beine hätten. Schlagfertig sind sie jedenfalls, die deutschen Frauen. Das Hamburger Nachtleben verschaffte mir nur einen Kater. Ich ließ meine Sachen per Express nach Berlin senden und verfiel auf die (verwegene) Idee, anstatt mit dem Flugzeug, mit der Eisenbahn zu reisen.
Das Eisenbahnabteil erwies sich als alles andere, als behaglich.
Die dicke Frau mit ihrem Miniaturpekinesen und ihrem Obst auf dem Hut versuchte ständig mir ein Gespräch aufzuzwängen. Ihre quäkende Stimme elektrisierte schon meine Haarwurzeln und der Kerl im Sonntagsanzug, mit gestärktem Kragen, warf mir ständig misstrauische Blicke zu und hielt seine Tasche fest umklammert auf dem Schoß. Den Champagner, mein einziges Reisegepäck, hatte ich in einer durchsichtigen Cellophantasche dabei. Ich steckte mir gerade meine 5te Zigarette an, als die Frau hüstelnd darauf hinwies, daß dies ein Nichtraucherabteil sei. Sturzartig verließ ich das Abteil. Ich streifte ein wenig durch die Gänge, hielt nach einem behaglicheren Platz Ausschau, bereute schon (fast) meine Entscheidung mit der Bahn zu reisen.
"Geile Beene hat` se."
Die zwei Twens warfen noch einen sehnsüchtigen Blick ins Abteil zurück und stiegen auf dem Bahnhof aus. Endlich mal ein interessanter Gedankengang! Augenblicklich hatte ich den Begriff geile Beene verstanden und machte mich auf die Suche nach ihnen. Inbrünstig hoffend, daß sie nicht einem Schulmädchen gehörten.
Und augenblicklich fand ich sie. Ihnen gegenüber waren die Plätze frei, DA mussten die Jungs gesessen haben.
Die endlos langen, schlanken Beine steckten in endlos langen, schwarzen Stiefeln. Nach einem wundervollen Stück Oberschenkel, fügte sich ein scharlachrotes Kleid an, mit einer fantastischen Figur darin. Ein schlanker Hals. Der Kopf, das Gesicht in eine Zeitung vertieft, von einer sandfarbenen Hochsteckfrisur gekrönt. Winston sollte mal mit der Bahn fahren!

"Darf ich mich setzen?", ich setzte ein charmantes Lächeln auf und blickte erwartungsvoll in ihre Richtung. Entweder hatte sie mich nicht gehört, oder sie reagierte einfach nicht. "Darf ich?", fragte ich noch einmal und wieder reagierte sie nicht. Ich setzte mich und begann eingehender ihre Anatomie zu studieren. Das samtene, enganliegende Kleid betonte ihre grazile Taille und meine scharfen Augen entdeckten gleich einen durchgehenden Reißverschluss an der Vorderseite. An den Schultern war der Stoff des Kleides ausgespart und die Ärmel, an schwarzen Strängen mit dem Kleid verbunden, gaben den Blick auf wohlgeformte Arme frei. Die helle Haut zeigte im Gesicht ein paar Sommersprossen. Das einzige was nicht zu ihrer Erscheinung passte, war die große, hässliche Tasche, die neben ihr auf dem Boden stand.
"Das Kleid steht Ihnen ausgezeichnet", sprach ich sie erneut an.
"Danke", sagte sie mit wohlklingender Stimme, ohne überhaupt aufzublicken. "Ich möchte mich nicht unterhalten."
Eine Zeitlang saß ich so schweigend da und überlegte meine Taktik. Ihre Abwehr erhöhte ihren Reiz. Ein Buntschopf mit Ketten, Nieten und Handschellen behangen, torkelte von der gegenüberliegenden Seite auf uns zu. "Haste mal `ne Kippe?"
Sie reagierte ohne aufzusehen, zog mit zwei Fingern eine Schachtel Zigaretten aus dem Stiefel hervor und bot die geöffnete Schachtel dem Wesen dar.
"Und meine Kumpels?", fragte der Blauschopf.
"Sie können die Schachtel nehmen", sagte sie und reichte ihm das Päckchen.
"Feuer?", fragte der Blauschopf weiter.
Wieder griff sie in ihren Stiefel, zog ein Feuerzeug hervor und reichte es ihm. "Das können Sie auch behalten."
Befriedigt zog er wieder ab.
"Haben Sie auch eine Zigarette für mich", fragte ich, darauf vorbereitet, gleich ihr eine anzubieten. Sie hatte ja eben ihr Päckchen verschenkt. Ich stellte mir schon vor, wie sie in meinen Armen liegt. Mit geöffneten Lippen den süßen Kuss erwartend. Erneut ließ sie ihre Hand in den Stiefel gleiten, zog ein frisches Päckchen Zigaretten hervor und reichte mir die Schachtel.
Dabei fielen ihre Zeitungen zu Boden.
"Feuer habe ich nicht", sagte sie, mich aus meinem Tagtraum reißend.
"Das möchte ich bezweifeln!", sagte ich, hob ihre Zeitungen auf, nicht ohne einen Blick auf die Titelblätter zu werfen und sah in ihr schönes Gesicht. Als Jäger hatte ich schon gewählt. Das Aufblitzen ihrer tiefblauen Augen sagte mir, daß sie mich nicht unsympathisch fand. Jener sekundenkleine Augenblick in dem alles entscheidende geprägt wird. Ich reichte ihr die Zeitungen und die Zigaretten zurück.
"Sind da Fotos von Ihnen drin", fragte ich, auf den Playboy anspielend.
"Nein", entgegnete sie, schlug die Zeitung an der Stelle wieder auf, an der sie gelesen hatte und las unbeirrt weiter.
"Möchten Sie Feuer haben?", fragte ich, mir paffend eine Zigarette anzündend.
"Nein danke", entgegnete sie: "Ich rauche nicht!"
"Kann ich Sie engagieren?", fragte ich, allerdings war mir nicht klar wozu.
"Ich sagte Ihnen bereits, daß ich es nicht wünsche, mich zu unterhalten", sagte sie beharrlich, ohne aufzublicken. "Konversation meint sowieso nie das, was sie zu sagen scheint."
Diese Widerspenstigkeit begann mir Spaß zu machen.
"Haben Sie rasierte Beine?", fragte ich weiter.
Sie ignorierte die Frage, doch ein kurzes amüsiertes Lächeln hatte mir ihre Grübchen gezeigt. Arrogant sind sie, die deutschen Frauen, da hat Winston recht. Ich musste über mich selbst lachen: In den Staaten liegen mir die Klassefrauen zu Füßen - und hier sehen sie mich nicht einmal an? Also beschloss ich meine Taktik zu ändern. Ich erinnerte mich an die Geschichte meines Vaters, der gern vom "Eroberungsritt"meiner Mutter spricht.
"Wenn du eine Frau die du begehrst nicht bekommst", pflegt er stets zu sagen: "liegt es zu 90% daran, daß du die falsche Taktik benutzt. Manchmal muss man einfach etwas Ungewöhnliches und Unerwartetes tun." Auf einem Rodeo für seine Freunde, bei dem es darum ging, Kälber in den Sattel zu heben, hatte er in wildem Ritt, die Tribüne auf der Grace saß erstürmt, sie auf seinen Sattel gezogen und mit ihr auf und davon in wildem Galopp. "Hab sie in dem braun-weißen Kleid doch wahrhaftig für ein Kälbchen gehalten", und insgeheim fügt er hinzu: "sie war so arrogant, würdigte mich keines Blickes, weil sie mich nur für einen Kuhjungen hielt." Sanft schmiegte sie sich an ihn, als sie zurückkehrten, nach drei Tagen.
"Was glaubst du?", pflegte Grace dann stets zu fragen , "WER hat ihn wohl dazu gebracht?"

Mein Blick blieb an ihrer hässlichen Tasche kleben ... ....ich öffnete das Fenster, griff die Tasche und warf sie blitzschnell hinaus. Schloss das Fenster wieder und setzte mich seelenruhig nieder.

Fünf Sekunden herrschte absolute Stille.
Sie sprang aus dem Sitz auf, holte tief Luft, schloss drei Sekunden ihre Augen. Ihr süßer Busen hob und senkte sich bei jedem Atemzug. Ich rechnete mit einer Ohrfeige, oder keifender Hysterie, doch mit erstaunlich ruhiger Stimme fing sie zu sprechen an: "Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten, entweder, ich ziehe sofort die Notbremse, was ich beim heutigem Stand der Technik nicht empfehlen möchte, oder Sie begleiten mich umgehend zur nächsten Polizeistation und wir regeln diesen Diebstahl im Auge des Gesetzes."
Der nietenbehangene Blauhaar, war ebenfalls aufgesprungen und versuchte sich bedrohlich vor mir aufzubauen: "Alter, hast se doch nich alle." Geschickt schloss er eine Handschelle ratschend um mein Handgelenk. Damit hatte ich nicht gerechnet.
"Ick hab's jenau jesehn", kreischte das Blauschopfweibchen.
Die übrigen Mitreisenden ereiferten sich lautstark. Einzig die schöne Frau im roten Kleid, musterte mich schweigend. Klickend ließ sie dann das andere Ende der Handschellen um ihr eigenes Handgelenk schließen.
"Gehen sie mit mir Essen?", fragte ich, als sei nichts geschehen.

Einen Augenblick machte sie ein verblüfftes Gesicht, als könne sie nicht entscheiden zwischen Lachen und Weinen.
"Alles was mich jetzt interessiert ist diese Tasche", sagte sie.
Der Zorn ließ ihr eine leichte Röte ins Gesicht steigen und ihre schönen Augen funkelten wild. Geschmeidig wie eine Katze wand sie sich zum Blauschopf um, wechselte einige Worte mit ihm. Ich entdeckte eine Applikation aus schwarzem Stoff auf ihrem Kleid. Eine große Kralle, direkt auf ihrem süßen Po.
"Wir ham keene Wohnung, aber findst uns....., als Zeugen, wenn uns brauchst, nee Schlüssel hab ick nich dabee."
Die umstehenden Leute setzten sich langsam wieder.
"Sie sind mutig, sich an einen fremden Mann zu ketten", sagte ich zu ihr.
Sie warf mir einen abschätzigen Blick zu. "Kommen Sie", sagte sie. "Ich suche einen Schaffner."Sie zerrte an den Handschellen und bereitwillig folgte ich ihr. Ihre Zeitungen ließ sie achtlos liegen.

Der Jäger hat seine Beute schon in der Schlinge. Es gibt kein Entkommen. "Lady, bleiben Sie doch mal stehen", sagte ich, an meinem vorherigen Abteil angelangt. Der Champagner lag noch unberührt da. Widerwillig blieb sie stehen. Die Pekinesenfrau, starrte auf die Handschellen mit entsetztem Blick: "Hab ich Ihnen das nicht gleich gesagt, der Mann ist vollkommen verrückt."
Der gestärkte Kragen sagte kein Wort. Ich lüftete meinen imaginären Hut. "Einen schönen Tag noch", wünschte ich, nach deutscher Gepflogenheit, warf der dicken Frau einen Kussmund zu und griff den Champagner.
"Kommen Sie", sagte die Lady erneut, ungeduldig an den Handschellen zerrend. Nichts wollte ich lieber! "Warum haben Sie das getan? ", fragte sie. Oh diese reizvolle Kralle auf ihrem Arsch. Ich war verlegen zuzugreifen.
"Ich wollte Sie kennen lernen", sagte ich, etwas Dümmeres fiel mir doch wahrlich nicht ein.
"Argh!", entfuhr es ihr. "Warum können Sie sich dann nicht vorstellen, wie andere Menschen auch? Wie heißen Sie denn", fragte sie und zog mich stetig weiter.
"ähm.. Sebastian", stellte ich mich vor. "Sebastian Smith", nicht ahnend, daß dieser Name, den ich häufig für meine Eskapaden benutze, mir einmal verhängnisvoll erscheinen würde. Sie ignorierte die Blicke der Reisenden, die teils verblüfft und neugierig, gebannten Blickes hinter uns her starrten.
Am Anfang des Zuges angelangt, war kein Schaffner zu finden. Der Zug lief jedoch langsam in einen Bahnhof ein. Als er hielt, folgte ich ihr den Bahnsteig hinunter und geradewegs auf einen Schaffner zu.
"Ich möchte, daß Sie zur Kenntnis nehmen, daß ich diesen Mann hier als Zivilperson verhaftet habe. Er hat meine Tasche aus dem Zug geworfen", sagte sie aufgeregt.
Der Schaffner machte ein unglaubwürdiges Gesicht. Augenblicklich hatte ich die gute Idee.
"Lady, hören Sie", flüsterte ich ihr ins Ohr: "Ich bin in einer wichtigen Mission unterwegs, die für Ihr Land und mein Land von immenser Bedeutung ist."
"Patriotismus kann mir gestohlen bleiben", sagte sie zornig. "Das Beste wird sein, ich schleife Sie jetzt zur nächsten Polizeistation, lasse Ihre Personalien aufnehmen und ein Polizeiwagen sucht meine Tasche."
"Hören Sie mir nur eine Minute zu", beschwor ich sie und zog sie einige Meter von dem Schaffner weg. Ein zweiter Schaffner gesellte sich zum Ersten dazu und eine Menge von Schaulustigen blieb bereits stehen....Wahrscheinlich ein streitendes Liebespaar......
.... in den Flitterwochen.......

"Im Zug sind Leute, die wichtige Informationen von mir wollen", sagte ich. "Das Beste augenblicklich war, durch Aufsehenserregung die Aufmerksamkeit des Publikums auf mich zu ziehen und ihnen so zu entkommen." Zur Bestätigung meiner Worte blickte ich noch einmal bedeutungsvoll in Richtung des Zuges, der gerade wieder anrollte.

Einige Reisende hatten die Fenster geöffnet und blickten gespannt auf unser Szenario. Der Blauschopf winkte noch einmal und sogar die Pekinesenfrau hatte sich ans Fenster gezwängt und redete kopfschüttelnd mit sich selbst.
"Je weniger Sie wissen, desto sicherer ist die ganze Angelegenheit für Sie", fuhr ich fort. "Selbstverständlich werden wir für den Ihnen entstandenen Schaden aufkommen, doch kann ich Ihnen versichern, daß das Ansehen Ihres ganzen Landes in Ihren Händen liegt." In gewisser Weise entsprach das ja auch der Wahrheit
Mit ihren großen, blauen Augen blickte sie tief in meine. "Ich glaube Ihnen kein Wort", sagte sie. "Wenn Sie tatsächlich ein Agent wären, würden Sie das mit Sicherheit niemandem erzählen, geschweige denn soviel Aufhebens um Ihre Person machen. Der Rest Ihrer Diebesbande stand doch an den Bahngleisen und hat die Tasche gleich eingesammelt."

"Ich bitte Sie im Namen Ihres Landes um Ihre Mithilfe. Natürlich begleite ich Sie auch zur nächsten Polizeistation. In dem Fall lasse ich Sie aus Gründen Ihrer persönlichen Sicherheit für mindestens 72 Stunden unter Schutzhaft stellen", sagte ich mit absoluter Selbstsicherheit.
"Ich verpasse gleich den wichtigsten Termin in meinem Leben, Sie werfen meine Existenz aus dem Fenster und jetzt muss ich auch noch damit rechnen erschossen zu werden, oder andererseits im Polizeigewahrsam zu landen?"Sie lachte: "Zeigen Sie mir Ihren Ausweis und ich vertraue Ihnen vielleicht."
"Aus Sicherheitsgründen trage ich keine Papiere bei mir! Vertrauen Sie mir, begleiten Sie mich. Wir suchen Ihre Tasche und ich selbst garantiere für Ihre Sicherheit."
Sie musterte mein Gesicht und runzelte nachdenklich die Augenbrauen. Der Schaffner den sie zuerst angesprochen hatte kam auf uns zu.
"Wer hat nun wen verhaftet?", fragte er.
"Niemand", sagte ich schnell und blickte die Lady verschwörerisch an.
"Meine Tasche ist aus dem Zug gefallen", sagte sie irritiert und wies in die Richtung aus welcher der Zug gekommen war. "Etwa 20 Minuten von hier."

Der Bluff schien zu wirken.
"Liebling, wir werden die Tasche schon zurückbekommen", sagte ich.
Sie warf mir einen entrüsteten Blick zu und der Schaffner grinste unverfroren. Bereitwillig beschrieb er uns, anhand eines Planes, den Ort und wünschte uns für die Zukunft alles Gute.
"Komm Schatz ", sagte sie zynisch, zerrte rüde an den Handschellen und strebte auf den Ausgang zu.

Innerlich bebte ich vor lachen. Die Pirsch ist das reizendste für den Jäger. Hat er das Wild erlegt, so währt die Befriedigung darüber nicht lange .....und der Jagdinstinkt erweckt sich erneut. Diese Beute schien mir sicher.
"Erst meine Mission", sagte ich wichtig zu ihr. "Dann Ihre Tasche."Widerwillig folgte sie mir zur nächsten Telefonzelle. Das Wild verströmte einen betörenden Duft und beim Anblick ihrer sinnlichen Lippen wollte ich nichts lieber, als diese zu küssen. Ich bugsierte sie in die Telefonzelle, nicht ohne mich vorher einige Male in jede Richtung umzuschauen. Zog den Zettel mit Winstons Telefonnummer aus der Tasche und suchte Kleingeld. "Äh, haben Sie Kleingeld?"
"Jetzt pumpen Sie mich auch noch an?", fragte sie, ließ eine Hand in ihren Stiefel gleiten, dabei geriet mein Blick in ihr zauberhaftes Dekollete und zog eine Telefonkarte heraus. "Das nächste ist ein Kartentelefon."

Winston ging ans Telefon.
"23", sagte ich. "Plan 5 tritt in Kraft."
"Sunny, was redest du da?", fragte Winston.
"1988, Mission geglückt", sagte ich. "Habe Person in Schutzhaft genommen, lassen Sie umgehend eine Tasche am Bahngleis suchen. Hamburg-Berlin, 20 Minuten vom Bahnhof entfernt."Winston verstand unser altes Spiel sofort. Du vermittelst den Frauen ein Bild, Agent in einer wichtigen Mission zu sein und im Kampf fürs Vaterland ereifern sie sich glühend, mit Körpereinsatz ...und mit Geist. Winston selbst ist darin Profi. 88 hatte ich ihn kennen gelernt.
"Wow, Sunny, sieht sie gut aus? Was für eine Frage?", Winston lachte schallend. "Und wenn ich richtig kombiniere, hast du ihre Tasche aus dem Zug geworfen."Ich bewundere Winstons Kombinationsgabe.
"Das passt mir sehr gut", sagte Winston. "Pass auf, der Wagen steht noch am Flughafen. Ich muss für drei Tage nach Tokio. Mein Flug geht in zwei Stunden. Mein Haus steht dir frei und bleib, bis ich zurück bin. Agent...?"
"Sebastian Smith."
"Ich sehe du wirst dich nicht langweilen .....bis in drei Tagen...."Winston lachte immer noch schallend, als ich den Hörer auflegte.
Sie musterte mich eingehend und schien zögerlich zwischen Unglauben, Faszination und Wut. Feierlich verbrannte ich den Zettel mit Winstons Telefonnummer. "Die Sache mit der Tasche wird geregelt", sagte ich zu ihr. Sie drängte mich zur Seite und ließ in den nächsten Minuten ihr Telefon und ihre Bankkonten sperren und rief zuletzt eine Berliner Nummer an.
"Karl, ich kann Sie heute nicht treffen", sagte sie. "Ein Mann hat meine Tasche aus dem Zug geworfen. Ich muss das regeln."
"Ist das Ihr Name?", fragte ich, als sie auflegte.
"Nein", antwortete sie. "Plan 5 tritt in Kraft, war das Ihre wichtige Information? Wie lauten denn Ihre Instruktionen?"
"Ich stehe Ihnen, als Ihr persönlicher Begleitschutz zu Diensten", sagte ich und blickte mich noch einmal sorgfältig in alle Richtungen um. "Wie heißen Sie denn?", fragte ich sie.
"Wenn Sie das sind, was Sie vorgeben, dürfte es Ihnen ja nicht schwerfallen, herauszufinden wer ich bin", antwortete sie. "Und wenn Sie außer Plan 5 nichts auf Lager haben, tritt jetzt mein Plan in Kraft und der besagt, daß ich jetzt ein verdammtes Taxi nehme und die verdammte Tasche suche. Oder kommt jetzt Ihr Mr. X mit dem Wunderauto?"
"Später", sagte ich. Die zornige Empörung stand ihr wunderbar. Ihre Wangen hatten sich gerötet, ihre Augen funkelten und einige Haarsträhnen hatten sich wild aus ihrer Frisur gelöst. Sie winkte einem Taxi und erklärte dem Fahrer den Weg. Der grinsende Taxifahrer stierte auf die Handschellen: "Wohl den Schlüssel verloren, im Erotikshop kann man Ihnen auch helfen."
Die Fahrt ging über wüste, holperige Straßen und manchmal wurde ihr schlanker Körper gegen mich gedrückt oder eine Haarsträhne streifte mein Gesicht.

Der Jäger hatte die Fährte aufgenommen und sog genüsslich den Duft des Wildes ein.
"Woll'n Sie echt auf den Acker", fragte der Taxifahrer. "Es regnet gleich."Sie nickte. "Ja, Schmutzzulage kriegen wir Taxis auch", fuhr er fort. "Ich weiß ja nicht, was Sie vorhaben!"Sie warf ihm einen funkelnden Blick zu und er verkniff sich die nächsten Worte. "Den Rest müssen Sie zu Fuß gehen", sagte der Fahrer, als er endlich gehalten hatte: "Macht...."
"Ihr Part", sagte sie und klopfte mir mit der freien Hand auf die Schulter.
"American express", sagte ich. Der Fahrer schüttelte den Kopf: "Nur Cash, Mann."
Sie ließ eine Hand in ihren Stiefel gleiten und zog einen sauber gefalteten Schein hervor. Allmählich fragte ich mich, was wohl noch alles in den Stiefeln steckte.
"Warten Sie, solange das reicht. Wenn wir bis dahin nicht zurück sind, rufen Sie die Polizei", sagte sie zum Fahrer. "Kommen Sie."Sie öffnete die Tür und zog mich mit sich. "Geben Sie mir Ihre Jacke, meine haben Sie aus dem Fenster geworfen."Bereitwillig gab ich ihr die Jacke, die sie auf die falsche Seite drehte und geschickt über die Handschellen streifte. Wir gingen durch den Regen zu den Bahngleisen hinauf, um von dort eine bessere Orientierung zu bekommen.
"Ein knorriger Baum war in der Nähe", sagte sie.
Woher sie das wusste, war mir schleierhaft. Sie hatte doch die ganze Zeit gelesen. Wir gingen eine Weile am Bahngleis entlang, wichen einem herannahenden Zug aus, der wild hupend weiterdonnerte und fanden schließlich den knorrigen Baum. Ein Weg führte in einigen Metern an den Schienen vorbei. Von der Tasche keine Spur. Sie blickte ganz verzweifelt und hatte allmählich, wegen des Regens, ähnlichkeit mit einer nassen Katze.

"Da kommt jemand", zischte ich und brachte sie im Affekt dazu, mit mir hinter den Büschen in Deckung zu gehen. Am Weg hatte ein Auto gehalten und zwei Männer stiegen aus.
"Das sind doch Ihre Leute, die meine Tasche suchen", sagte sie.
"Oder der Feind", sagte ich.
"Welcher Feind denn?", fragte sie spöttisch. "Wenn ich hier schon im Dreck rumkrieche, wüsste ich schon gern, vor wem ich mich verstecken soll."
"Seien Sie still, wenn Ihnen ihr Leben lieb ist", zischte ich erneut und blickte beharrlich in die Richtung, aus der die beiden Männer kamen. Suchend blickten diese sich um. Sie schwieg eine Weile. Ich konnte ihren Herzschlag an ihrem schlanken Hals pulsieren sehn.
"In was für ein Schlammassel haben Sie mich gebracht?", flüsterte sie. "Und was habe ich? Nichts außer Ihrem Gerede über Ihre, ach so wichtige Mission. Wer sagt mir, daß das nicht alles Lügen sind?"
"Sagt Ihnen nicht Ihre weibliche Intuition, daß alles wahr ist, was Sie erleben", entgegnete ich. Damit hatte ich sie in eine Zwickmühle gelockt. Welche Frau war nicht stolz, auf ihre sogenannte weibliche Intuition. Ich setzte meinen seriösesten, glaubwürdigsten Blick auf und starrte eindrucksvoll in ihre Augen.
"Schlechte Lügner setzen auch solch eine Miene auf", sagte sie. "Und was die Wahrheit betrifft", sie blickte mich mit ihren glasklaren Augen keck an. "So sehr ich mich auch kneife, wach ich doch immer wieder im Schlamm hockend, neben einem identitätslosen Missionar auf, der mich erst bestohlen hat und jetzt dafür sorgt, daß ich einen der wichtigsten Termine meines Lebens versäume."
"Sie treffen Karl schon ein anderes Mal", sagte ich.
"Ich bin sicher nicht in der Position ihn zu versetzen. Was erzähle ich Ihnen das überhaupt?", sagte sie trotzig. Sie griff in die Innentasche der Jacke, die nun nach außen gekehrt war und zog meine Brieftasche hervor. "Wenn Sie nichts dagegen haben", sagte sie, wartete jedoch keine Antwort ab."Kreditkarten... kein Bargeld.. keine Fotos.. kein Pass....oh....Visitenkarten.. Sebastian Smith...John Johnson...... viel Phantasie beweisen Sie ja nicht gerade."Sie steckte das Lederetui zurück.

Die beiden Männer kletterten zu den Gleisen hoch und suchten mit ihren Ferngläsern die Umgebung ab. Schließlich gingen sie in die entgegengesetzte Richtung.
"Gehen Sie jetzt mit mir Essen?", fragte ich sie.
"Nein danke", sagte sie. "Ich faste. Wie können Sie in solch einer Situation überhaupt an Essen denken. Bargeld haben Sie auch keins und die Kreditkarten sind wahrscheinlich gestohlen!"Die Komik dieser Situation brachte mich zum Lachen und das Komischste war, daß sie mitlachte.
"Lady, warum fasten Sie? Sie sind doch superschlank", fragte ich, als ich wieder zu Atem gekommen war.
"Bioüberlebensstrategie", sagte sie und ließ mich über dieses Wort nachdenken. "Fixe Idee", fuhr sie fort. "Ich faste, solange, bis ich mein nächstes Werk verkauft habe. Ich bin bildende Künstlerin."
"Ah", sagte ich, als ob ich etwas begriffen hätte. "Und wenn keiner eins kauft?", fragte ich.
"Dann...", sie setzte ein zuckersüßes Lächeln auf. "Verhungere ich eben, Schätzchen. Wenn an Ihrer Geschichte ein Fünkchen Wahrheit ist, sterben Sie doch ebenfalls für Ihre Ideale." Einen Augenblick beschämte mich ihr Idealismus. Wenn man den Orgasmus, als kleinen Tod betrachtet, hatte sie sogar recht.
"Wenn die Polizei gleich kommt, wird sie das schon heraus finden", sagte sie. "Das sagt mir meine weibliche Intuition. Glauben Sie, daß die Ihren Humbug glauben werden?"Mit überheblichem Lächeln und triumphierendem Blick musterte sie mich.
"Welche Polizei?", fragte ich. "Glauben Sie wirklich, daß der Taxifahrer die Polizei ruft?"
"Ja natürlich!", rief sie aus.
"Ich habe ihm meine Uhr gegeben, damit er es nicht tut!"

Sie schnappte hörbar nach Luft. "Dann sind diese zwei Männer wahrscheinlich meine letzte Chance IHNEN zu entkommen", sagte sie und stand auf, soweit das mit den Handschellen und mir am Boden möglich war. Die beiden Männer kamen vom Bahngleis zurück und blickten sich suchend um.
"Hallo, bitte warten Sie...", rief sie laut. "Jetzt können Sie ihrem Feind die Augen auskratzen", sagte sie lächelnd zu mir.
Die beiden Männer waren angesichts der Rufe stehen geblieben und blickten in unsere Richtung. Natürlich hatte Winston sie geschickt. So erschien es mir jedoch zu einfach. Widerwillig gab ich die Deckung auf. Wir gingen auf sie zu und ich erkannte Winstons Sekretär. Als er mich erkannte, eilte er freudig auf uns zu: "Sir.."
"Sebastian Smith", sagte ich hastig und schüttelte die dargebotene Hand.
"Wir sind informiert", sagte er. "Am Flughafen steht der Wagen für sie. Die Tasche ist unauffindbar."Er nickte der Lady zu: "Tut mir leid!"

Mittlerweile waren wir bis auf die Knochen durchnässt und meine Begleiterin sah von Minute zu Minute unglücklicher aus. Sie schwieg und wich meinem Blick aus. Wir gingen zum Auto und ließen uns erschöpft auf den Rücksitz sinken. Der Weg endete auf der einen Seite auf einem Campingplatz, niemand dort hatte die Tasche gefunden oder auch nur gesehen und auf der anderen Seite auf der Hauptstrasse. Ihr verzweifelter Blick verursachte mir leichtes Unbehagen und es tat mir fast leid um diese verdammte Tasche. ....Andererseits......Sie lehnte sich zurück, schlug ihre herrlichen Beine übereinander, zog mit spitzen Fingern ein Päckchen Zigaretten aus dem Stiefel hervor, die erstaunlicherweise trocken geblieben waren, schob eine lässig zwischen die Lippen und sah mich auffordernd an.
"Ich dachte Sie rauchen nicht", sagte ich, als ich ihr Feuer reichte, was erst nach unzähligen Versuchen gelang. Sie reichte mir die Zigaretten.
"Möchten Sie?", fragte sie. "Was ich dabei vergessen habe, ist ein Sprichwort: Gibst du einen kleinen Finger, verlierst du eine ganze Hand. Die können Sie behalten. Mehr habe ich nicht zu bieten!" Sie lachte bitter und blickte stur aus dem Seitenfenster.

Alles was sie mir bieten konnte, hatte sie noch bei sich. Da war ich mir sicher. Der Sekretär rief unterdessen Fundbüros und Polizei an. Ohne Erfolg.
"Wir ersetzen selbstverständlich den Schaden", sagte ich. Wer immer wir auch waren.
"Das dürfte unmöglich sein", sagte sie. "Zwei Jahre harte Arbeit haben Sie aus dem Fenster geworfen. Vom Computer und der Kamera ganz zu schweigen. Meine ganze Lebensenergie steckt darin."
"Wir finden einen Weg", beschwichtigte ich sie.

"Sir", sagte der Sekretär.
"Mr. Smith", berichtigte ich.
"Mr. Smith, möchten Sie nicht erst einmal diese albernen Dinger loswerden?", fragte er, mit einer Geste auf die Handschellen.
"Die sind nicht störend ", erwiderte ich.
"Unbedingt!", fuhr die Lady dazwischen.
"Die sind ein Garant für Ihre Sicherheit!"
"Wenn ich SIE los bin, gefährdet sicher nichts mehr meine Sicherheit!"
"Sie müssen sich ausruhen und ein Bad nehmen", redete ich auf sie ein.
"Und in Ihren Champagnerflaschen sind da chemische Kampfstoffe drin?", fragte sie zynisch. "Wenn Sie die Flaschen schon die ganze Zeit mitschleppen!"
Statt einer Antwort, zog ich eine der Flaschen hervor, nestelte sie auf und ein dumpfer Knall brachte die Seitenscheibe zum Bersten. Der Champagner lief ihr übers Kleid und rann an ihrem Oberschenkel herunter. Er war wohl etwas durchgeschüttelt.
"Das kann mich nun nicht mehr erschüttern", sagte sie, setzte die Flasche an und trank einige Züge. "Auf Ihr verdammtes Vaterland!"Lachend kippte den Rest der Flasche über meinem Schritt aus. Ich war einige Sekunden entsetzt, gewann jedoch gleich meine Fassung wieder.
"Was stellen Sie sich vor, wie es weitergeht?", fragte sie dann.
Yeah, Babe ich zieh dich langsam aus...genieße jeden Augenblick und ....guck erst mal, was so alles noch in den Stiefeln steckt.
"Ähm, wir besorgen Ihnen etwas zum Anziehen und was Sie sonst brauchen und regeln die Suche nach der Tasche", sagte ich.
"Und Ihre Verfolger?", fragte sie. "Haben sich in Luft aufgelöst?"
"Abgeschüttelt!", antwortete ich und blickte zur Kontrolle durch das Heckfenster.

Der Sekretär, der meinen Plan mitbekommen hatte, chauffierte uns zu einem Damenmodengeschäft, wo seiner Ansicht nach Frauen einkaufen. Er versprach sich um die Suche nach der Tasche zu kümmern und einen Schlüssel für die Handschellen bei Winston zu deponieren. Um den Wagen würde ich mich später selbst kümmern. Für den Fall, daß es mir nicht gelänge, den Wagen zu erreichen, gab er mir eine Karte mit Winstons Adresse. Sie schien meine Kompetenz nicht weiter in Frage zu stellen. Daß sie frische Kleider brauchte, war unübersehbar.
Das missmutige Verhalten der Verkäuferrinnen, angesichts unserer schmutzigen Kleider und der Handschellen, ihr rechter und mein linker Arm durch kühlen Stahl verbunden, schlug in freundliche Hilfsbereitschaft um, - nachdem ich meine Kreditkarte auf den Tisch legte. Die Lady wusste genau, was sie wollte. Sie zählte auf, was sie brauchte und der kleine Ameisenhaufen von Verkäuferrinnen setzte sich in Bewegung.
"Woher nehmen Sie sich bei Ihrer wichtigen Mission noch die Zeit für diesen Einkaufsbummel?", fragte sie amüsiert.
Ich hatte die zweite Flasche Champagner geöffnet und sie trank einen Schluck.
Oh, Winston, du wirst mir verzeihen!
"Ehrensache", sagte ich. "Ich bin für jedes Opfer bereit."
"Dann müssen Sie jetzt den Champagner mit mir wegbringen", sagte sie.
Ich wusste nicht gleich, was das heißt. Folgte ihr jedoch, als ich den Sinn begriff, aufs Damenklo und kehrte ihr den Rücken zu. Ich musste pfeifen, damit ihr Wasser lief. Die Komik der Situation brachte uns beide zum Lachen. Ich war, im wahrsten Sinne des Wortes, zum ersten Mal von einer Frau gefesselt. Bei der Anprobe konnte sie, wegen der Handschellen, ihr Kleid nicht ganz aus und ein anderes nicht ganz anziehen. Ich musste mich umdrehen, doch ein Blick auf ihren fast unbekleideten Körper, hat zweifellos restlos meine Sinne betört. Die Jacke hatten wir kurzerhand zerschnitten.
Schöne Gazelle, die Fänge des Jägers sind dir gewiss.
Sie entschied schnell, was ihr gefiel und schon kurze Zeit später ließ ich die Sachen zu Winstons Haus senden.

Wir ließen uns in einem Taxi zum Flughafen fahren.
"Nur Cash, Mann!", doch die Lady hatte noch einen sauber, gefalteten Schein im Stiefel.
Ich entdeckte den Wagen gleich.
"Sie müssen fahren", sagte ich und schüttelte die Handschellen.
Sie schüttelte den Kopf. "Ich bin betrunken ", sagte sie.
"Dann müssen Sie auf meinem Schoß sitzen", sagte ich.
Sie schüttelte noch energischer den Kopf.
"Meinen Führerschein kann ich heute nicht mehr verlieren, den haben Sie heute morgen schon aus dem Fenster geworfen und die Polizei ist sicher nicht das Schlechteste, was mir heute noch begegnen kann."
Sie öffnete die Fahrertür und ließ sich auf den Sitz sinken. "Jaguar passt gut zu meinem schmutzigen Kleid", sagte sie.
Ich kletterte über sie hinweg auf den Beifahrersitz.
"Das ist allerdings nicht Standard", sagte sie mit einem Blick auf die Armaturen. "Ihr Mr. X scheint ja doch existent zu sein."
Als ich mit meinem linken Daumen auf dem Touchpad die Sicherheitssperre löste, machte sie tatsächlich ein erstauntes Gesicht. Der Bordcomputer begann sofort zu arbeiten. Am Display erschien ein Wort: "Home?"Ich bestätigte. Der Motor startete und eine mechanische Stimme gab die Fahrtrichtung an.
"Kann dieses Auto auch ohne Computer gefahren werden?", fragte die Lady.
"Doch sicher", antwortete ich. "Aber, dann finden wir die Zentrale nicht."
Wohlwissend daß, das Zentralste in Winstons Wohnung sicherlich sein Bett ist.

Meine schöne Begleiterin fuhr zügig und konzentriert, der Computer instruierte und ich beobachtete sie. Die Sonne schien inzwischen und ich genoss die Fahrt im offenen Wagen. Sie schien in Gedanken versunken und ich glaube kaum, daß sie wirklich betrunken war.

"Als Entschädigung könnten Sie ja bei ihrem Präsidenten für mich vorsprechen, daß es mir ermöglicht wird, eine Projektion aufs weiße Haus zu machen", sagte sie schließlich. "Oder dienen Sie der Krone, Sir?", fügte sie schmunzelnd hinzu.
"Projektion?", fragte ich.
"Bilder", sagte sie.
"Ich werde mein Möglichstes tun", sagte ich, hatte jedoch keine Ahnung wovon sie sprach. Wir waren an Winstons Haus angelangt. Das Garagentor öffnete sich automatisch und sie parkte den Wagen. Der Sekretär erwartete uns bereits. Er hatte einen Schlüssel für die Handschellen besorgt. Vor rund 5 Stunden hatte sie mich angekettet und als wir die Bande lösten, durchfuhr mich eine seltsame Melancholie. Ich bat den Sekretär noch, einige Kisten Champagner und andere kulinarische Genüsse zu besorgen. Von der Tasche noch keine Spur.

"Wo ist das Bad?", fragte sie und klemmte sich ans Telefon.
"Wen rufen Sie an?", fragte ich barsch und unterbrach die Verbindung.
"Karl", sagte sie, angesichts meines Tones erstaunt.
"Sie verstehen nicht, worum es hier geht", sagte ich. "Niemand sollte Ihren Aufenthaltsort kennen!"
"Sie verstehen nicht, worum es hier geht!", erwiderte sie. "Sie fragen nicht einmal nach dem Inhalt meiner Tasche, revolutionieren meine Zukunft auf Ungewissheit und wollen mir jetzt noch das Telefonieren untersagen? Beschuldigen Sie mich jetzt der Konspiration?"Die Zornesröte stand in ihrem Gesicht, ihre Augen funkelten wild und jeder Muskel ihres Körpers war angespannt. Schöne Katze - bereitest dich auf den Angriff vor?

In diesem Augenblick klingelte das Telefon. Ich griff den Hörer. Winston war am Apparat. "Wow, Sunny, noch keine 24 Stunden in Deutschland und schon ist ein äußerst interessantes, weibliches Geschöpf, wie mein Sekretär sagt, von dir gefesselt."
"Wir konnten die Verfolger abschütteln", sagte ich lachend und blickte in ihre Augen. Sie studierte aufmerksam meine Mimik und ich verkniff mir ein weiteres Lachen. "Die Schutzbefohlene weigert sich, ihre Identität preiszugeben. Können Sie ihr versichern, daß ich über alle Kompetenzen verfüge. 23 Ende."Ich reichte ihr den Hörer. Während sie dem, was Winston ihr erzählte lauschte, stand sie kerzengerade da, eine Hand lässig auf ihren Beckenknochen gestützt.
"In Ordnung ", sagte sie nach einiger Zeit, daß ich mich schon fragte, was Winston die ganze Zeit erzählte und legte auf.
Ich sah sie erwartungsvoll an.
"Wer immer das am Telefon war, sagte mir, ich solle Ihnen unbedingtes Vertrauen schenken. Alles Menschenmögliche würde getan werden, mein Eigentum zurück zu beschaffen. Für den Fall, daß dies nicht gelänge, wird der Schaden ersetzt. Ich kann jederzeit gehen und wenn ich Ihnen nicht traue, diese drei Vasen dort", sie wies mit der Hand auf ein Glasregal, "mitnehmen, oder den Wagen. Er hat mir sogar erklärt, wie ich den Computer umprogrammiere. Doch dann sei es meine Angelegenheit, wenn ich in die falschen Hände gerate."
Sie ließ sich erschöpft auf eine Couch fallen: "Haben Sie inzwischen ein Badezimmer gefunden?"
Ich hatte sogar schon die Päckchen ins Bad getragen.
Sie verschwand im Bad und als ich ihr nach einiger Zeit folgte, - ich hatte noch eine Flasche Champagner entdeckt, lag sie in der Badewanne, bis zum Hals in Badeschaum. Die langen glattrasierten! Beine lasziv über den Wannenrand gelegt, streckte sie die Hand nach dem Glas Champagner aus.
"Was glauben Sie, wie es weitergeht?", fragte sie.
Oh ja, ich werde dich nehmen und mich an deinem Fleisch ergötzen.
"Ich würde gerne mit Ihnen Essen gehen", sagte ich.
"Haben Sie nichts ANDERES, als Essen im Sinn?"
"Ich bin für Ihre Sicherheit verantwortlich, bis die Angelegenheit mit der Tasche in Ordnung gebracht ist und für Sie kein Risiko mehr besteht", sagte ich bestimmt. "Und ICH bin sehr hungrig!"
"Meinen Sie das ernst, als Sie sagten, daß Sie fasten, solang bis Sie tatsächlich ein Werk verkaufen", fragte ich. "Dann verkaufen Sie mir eins."
"Sie haben schon einen Berg Schulden bei mir und leider habe ich auch gerade keins dabei."
"Dann malen Sie mir eins", sagte ich und stürmte los, um gleich mit Stift und Zettel zurückzukehren. "Zwei Jahre Arbeit können viel und auch wenig sein. Was verdienen Sie in einem Jahr? Eine viertel, eine halbe Million?", fragte ich interessiert.
Statt einer Antwort lachte sie nur. Sie kritzelte etwas und reichte mir das Blatt. Es war ein Strichmännchen darauf, daß einen Koffer warf.
"Ein $ bar cash", sagte sie. "Waschen Sie meine Sachen aus und trocknen Sie meine Stiefel."
Sie schwenkte ihr leeres Glas und ich schenkte ihr nach. Ihre Wäsche lag am Boden. Ich hob sie auf, hielt sie mir unter die Nase und sog tief ihren Duft ein.
"Hmh, Sie riechen gut", sagte ich, meinen Blick auf ihre Augen gerichtet. Sie zeigte sich nicht pikiert. Lachte bloß. Ich wusch ihre Kleider aus, wie sie mich instruierte, hängte sie zum Trocknen auf. Stopfte Handtücher in ihre Stiefel, - nichts mehr darin? - und legte sie zum Trocknen über die Palmen. Legte Musik auf, füllte einen Scheck aus. Meine Sachen waren schon angekommen. Der Champagner auch. Ich presste die Orangen aus, um die sie, den Sekretär gebeten hatte und kehrte zurück ins Bad.
Nur einen verdammten Dollar konnte ich nicht finden.
"Orangensaft und Ihre Garantie", reichte ihr Scheck und Glas.
"Das kann nicht Ihr Ernst sein", sagte sie, als sie einen Blick darauf warf. "Das ist abstrus und unwahrscheinlich. Ad absurdum."
"Es gibt nur ein Problem", sagte ich."Ich habe keinen Dollar."
Wir brachen beide in Lachen aus.
Sie trank Saft und ließ sich Champagner nachschenken.
"Abstraktion der Wirklichkeit", sagte sie. "Je mehr ich von diesem Schaumwein trinke, desto klarer werden mir die Ungereimtheiten", sagte sie. "Sie mit ihren schlammverkrusteten Hosen, Sebastian Smith, gehorchen wie ein Lakai. Ich habe nicht einmal Bitte gesagt, reichen mir einen Scheck, eine Million, kein Problem wie Sie sagen. Ich bin gespannt was da noch kommen mag."Sie räkelte sich in der Wanne, legte den Scheck auf die Ablage und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Winston, sie trägt auch kein Achselhaar!
Langsam zog ich mir die Sachen aus. Sie blickte keineswegs irritiert. Sie räkelte sich erneut, wobei ich mir, bei ihrer Ausstrahlung, nur durch immense Geistesanstrengung die Latte verkniff. Nackend blieb ich vor ihr stehen.
"Sie sind ein schöner Mann ... und soo...stark", sagte sie lachend.
Schnell ging ich unter die Dusche. Nein, ich werde sie nicht gleich bumsen. Ein Jäger muss stolz seine Beute präsentieren. Die Blicke der Anderen sie verschlingen. Mehr Lustgewinn.
Nach der Dusche wickelte ich mir ein Handtuch um und setze mich auf den Wannenrand, daß ich auf sie herabsehen konnte.
"Gehen Sie nun mit mir Essen?", fragte ich.
"Nur, wenn Sie jetzt den Raum verlassen", sagte sie.
Babe, ich will dich nackt sehen. Widerwillig kam ich ihrer Bitte nach, verließ den Raum, legte Abendgarderobe an und wartete eine Ewigkeit. Wenn ich zuvor nie, die Metamorphose einer schönen Frau, in eine noch Schönere, für möglich gehalten hatte, so sah ich nun dies mit meinen eigenen Augen. Aus der nassen Katze, war ein geschmeidiger Jaguar geworden. "Sie sehen umwerfend aus", empfing ich sie. Mit elegantem Hüftschwung schritt sie auf mich zu. Das Kleid - natürlich rot - schmiegte sich seidig an ihre Figur. Ihre Augen sanft betont. Die Lippen weinrot. Die langen Beine in seidigen, roten Strümpfen und die schlanken Füße in roten Pumps. "Liegen Ihnen die Männer nicht zuhauf zu Füßen", fragte ich.
Sie blickte suchend auf ihre Füße und schüttelte den Kopf. "Soweit ich das beurteilen kann, keiner!"Lachend gingen wir hinaus.

Ich führte sie in ein kleines japanisches Restaurant, daß sich, Dank Winstons Computer finden ließ. Food.
Mich vergnügten die begehrlichen, gierigen Blicke der Männer, auf meine schöne Begleiterin. Wir wählten einen Tisch. Ein Kellner brachte Karten. Sie bestellte Wasser, ich Wein.
"Worüber möchten Sie sich unterhalten", fragte sie, nachdem wir Platz genommen hatten. "Kunst, Sex, Politik oder Religion?"
"Schicksal", sagte ich.
Sie wandte mir ihre gesamte Aufmerksamkeit zu. Ignorierte die Herren, die sie anstarrten und blickte mir tief in die Augen. "Wie lautet den Ihre Definition für Schicksal.", fragte sie
"Etwas was dem Menschen vorbestimmt ist. Eine höhere Macht...", sagte ich.
"Meinen Sie nicht eher Geschicke, die wir selber lenken? Am Schicksal glaube ich nicht", sagte sie. "Das hieße, daß wir alle hoffnungslos verloren wären. Hätte ich einen späteren Zug genommen, würde ich jetzt sicher woanders sitzen."
"Warum haben Sie dann keinen späteren Zug genommen?", fragte ich.
"Weil ich auf jeden Fall pünktlich - kommen - wollte", sagte sie und lachte. Mir war die Zweideutigkeit nicht entgangen. Sie lehnte sich entspannt zurück. Der seidige Stoff spannte sich über ihren Brüsten und sie schlug die Beine seitwärts von mir weg, übereinander. Die roten Strümpfe schimmerten silbrig im Kerzenlicht. Ein Kellner nahm unsere Bestellung auf. Ein volles Menü für mich und für sie nur Obst. Seine Augen verfingen sich sofort auf ihren Beinen und von mir ertappt, huschte er davon.
"Glauben Sie denn an Schicksal?", fragte sie.
"Ich danke Gott, daß er mir eine so schöne Begleiterin zur Erfüllung meiner Mission zur Seite gestellt hat", sagte ich. Ungläubig sah sie mich an. "In God We Trust", sagte ich. "Das tun alle aufrechten Amerikaner. Deswegen steht es auch auf jedem Dollar drauf."Sie lachte auf und blickte gleich verlegen.
"War es bei Ihrer Mission nötig meine Tasche aus dem Zug zu werfen?", fragte sie.
Abgesehen davon, daß die Tasche mein ästhetisches Empfinden beleidigte und die Frau im roten Kleid mich durch Reserviertheit und Schönheit reizte?
"Unbedingt", sagte ich."Alle Feindbewegungen wurden auf die Tasche gelenkt, so daß die Mission bisher erfolgversprechend verlaufen ist."
"Heißt das, daß Ihr potentieller Feind meine Tasche gefunden hat?"
Ihr Blick war fast ängstlich und aufmerksam blickte sie sich im Restaurant um.
"Das versuchen wir gerade herauszufinden", sagte ich. "Hier brauchen Sie nichts zu befürchten, die Umgebung ist gesichert."
"Worum geht es?", fragte sie.
"Mikrochips", sagte ich schnell. "Doch besser Sie vergessen das schnell. Je weniger Sie wissen ...."
"...Desto sicherer für Sie", fiel sie mir ins Wort. "Meine Adresse ist in der Tasche, ein Computer, Disketten, Texte."
"Dann ist es besser, Sie bleiben einige Tage unter unserem Schutz."
Wow, so ein Hochgefühl, hatte ich lange nicht gefühlt. Je beharrlicher ich an der Geschichte festhielt, desto wirklicher schien mir dieses Schauspiel.
Eine Serviererin brachte uns Speisen. Ihre Augen streiften sich bei einem Blick. Sie lächelten und die Serviererin wünschte uns einen guten Appetit.
Mein Appetit war mit Essen nicht zu stillen.
"Habe ich etwas zu befürchten, wenn ich nach Hause zurückkehre", fragte sie. Ihr ganzer Körper spannte sich an und sie beugte sich zu mir hinüber.
"Nicht, solange Sie unter meinem Schutz stehen!"

"Wissen Sie", sagte sie. "Wenn ich über eine Blumenwiese laufe und sich nur ein einziger Kothaufen darauf befindet, kann ich sicher sein, daß ich hineintrete."
"Wollen Sie mich mit einem Kothaufen vergleichen?", fragte ich lachend.
"Nein, eher das Schicksal", sagte sie. Nachdenklich lehnte sie sich zurück und schälte eine Orange. "Ich bin verwirrt, daß muss ich zugeben", sagte sie, ganz ihrer Orange zugewandt. "Daß Sie dies inszeniert haben, um mit mir Essen zu gehen, scheint mir allerdings zu abstrakt."
Ich verschluckte mich fast an dem Bissen.
"War der Punk auch einer ihrer Leute?", fragte sie, blickte mich an und stocherte mit dem Messer in der Orange. In ihren Augen konnte ich lesen, daß sie wünschte, daß ich die Orange wäre.
"Nein, das war nicht vorgesehen", antwortete ich und versuchte ein charismatisches Lächeln.
Ohne ein weiteres Wort stand sie auf, bewegte sich zum gehen.
"Wohin wollen Sie?", fragte ich. "Ich begleite Sie!"
"Zur Toilette, was denken Sie?"
Mit aufreizendem Hüftschwung, schritt sie durchs Restaurant. Sprach ein Wort mit der Serviererin und ging eine Treppe hinauf. Mein Blick war nicht der Einzige, der an ihr klebte. Die Serviererin blickte flüchtig zu mir hinüber und tuschelte mit einem Kellner. Ich sprang auf und stürmte die Treppe hinauf, hinterher. Sollte sie mir noch entkommen? Einen verzweifelten Augenblick rechnete ich mit einem Hinterausgang. Sie stand an einem Telefon. Ich hatte ihr einen Schreck eingejagt. Ich riss ihr den Hörer aus der Hand und legte auf. "Mit wem haben Sie telefoniert?", fragte ich barsch. Ihr Körper bebte, ich legte ihr beruhigend die Hände auf die Schultern. Durch den Stoff des Kleides konnte ich ihr Zittern spüren.
"Ich habe meinen Partner gewarnt", sagte sie, schaut mich an mit glasklarem Blick.
"Ihren Mann?"
"Meinen besten Freund! Er wohnt im gleichen Haus."
"Schlafen Sie mit ihm?"
"Schlafen Sie mit ihrem besten Freund?"
"Nein", sagte sie.
"Nein", sagte ich.
"Damit wären wir beim Sex", sagte sie. "Kann ich jetzt weitertelefonieren?"
"Wenn Sie gleich zu mir zurückkehren", antwortete ich und ging zurück an unseren Tisch. Mein Aufspringen hatte das Interesse der Gäste geweckt und nun klebten die Blicke an mir. Befriedigt über diese kleine Dramaturgie widmete ich mich weiter dem Essen. Einige Zeit später schritt sie die Treppe hinunter und kehrte an den Tisch zurück. Ihre erotische Ausstrahlung schien nicht nur meine Phantasie zu beflügeln. Ein älterer Herr am Nebentisch, schien sie mit Augen auszuziehen. Ich starrte ihn einige Zeit an, bis er mich bemerkte und verlegen wandte er sich ab. Ließ nur noch verstohlene Blicke schweifen.
"Wundert sich Ihr Partner?", fragte ich.
"Er wundert sich nie", antwortete sie und bearbeitete eine weitere Frucht mit dem Messer. "Wenn das eine Masche ist, ist sie nicht nur kostspielig, sondern auch effektiv."Endlich legte sie das Messer weg.
"Geld spielt keine Rolle dabei, das Ansehen Ihres Landes in den Augen Amerikas zu wahren", sagte ich gönnerhaft. "Die Aufklärung von Missständen scheint mein Schicksal zu sein", fügte ich hinzu.
"Essen und Schicksal scheinen ja immense Bedeutung für Sie zu haben", sagte sie und nippte an ihrem Wasserglas. "Bei den Chinesen heißt es Frauen meines Jahrgangs, im Zeichen des Feuerpferdes geboren, brächten Chaos und Verwirrung, wohin sie auch gingen. Manchmal bin ich geneigt das zu glauben. Doch zum Glück sind wir nicht in China."
"Ich glaube Ihnen aufs Wort, daß Sie Verwirrung bringen", sagte ich zu ihr. "Für Chaos sorgen Sie mit Sicherheit erst recht, wenn die Frauen ihre Männer wieder nach Hause gekriegt haben. Essen scheint für Sie überhaupt keine Bedeutung zu haben "
"Doch natürlich", sagte sie.
"Genussvolle Esser sind genussvolle Liebhaber", sagte ich.
"Wer immer satt ist, hat irgendwann keinen Appetit mehr. Sind Sie ein genussvoller Esser?", fragte sie.
Sie hätte auch fragen können, ob ich ein genussvoller Liebhaber bin.
"Ich suche mir die leckersten Stückchen heraus", sagte ich. "Nur mein Appetit wäre besser, wenn nicht all die gierigen Blicke um uns wären."

Sie stand auf. "Lassen Sie uns in eine Bar gehen", hauchte sie. "Mein edler Beschützer. Schwaches Weibchen unterwirft sich starkem Mann."Ihr Sarkasmus war nicht zu überhören. Ich wollte das Essen bezahlen -"nur Cash, Mann"- und meine Begleiterin zog, woher auch immer, einen sauber gefalteten Schein hervor und beglich die Rechnung. Wir besuchten eine Bar und auch hier, ließen schmachtende Blicke mich, meine Beute eifersüchtig hüten. Ein Kerl wollte sie zum Tanz auffordern und ein Blick von mir genügte, daß er sich schleunigst davonmachte.
"Das war Schicksal ", sagte sie. "Bleiben Sex, Kunst, Religion und Politik."
"Mich langweilt alles, was man kaufen kann", sagte ich. "Das ist meine Religion."
"Dann dürften Sie ja enorm gelangweilt sein, was können Sie nicht kaufen?"
"Das Prickeln des Blutes bei meinen Missionen. Die Abenteuerlust, der verwegene Ruf des Herzens. Erhabenheit über Illusionen."
"Ein Abenteuerheld aus einem Klischeeroman?", fragte sie. "Welche Rolle, haben Sie mir denn zugedacht? Opfer oder Feind?" Sie fixierte über den Tresen hinweg einen Mann mit ihren Augen und als dieser sie bemerkte, starrte er hemmungslos zurück. Ich zerbrach mir einen kleinen Augenblick lang den Kopf darüber, wie sie es wohl anstellte, sofort die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Sie klingen richtig poetisch", sagte sie und wandte mir wieder ihre volle Aufmerksamkeit zu.
"Sie sind das Opfer politischer Spannungen, daß muss ich zugeben", sagte ich mit ernsthafter Miene. "Doch die Tatsachen sind nun einmal nicht mehr zu ändern. Wir sollten aber auf jeden Fall den Schauplatz ändern. Mein bester Freund hat bei unserem letzten Einsatz fast seine Frau verloren."Verunsichert hakte sie sich bei mir ein, ließ einen Blick durch das Lokal gleiten. Ich wollte die Rechnung begleichen. Nur Cash, Mann. Sie zahlte die Drinks, mit einem, woher auch immer, sauber gefaltetem Schein. Wir kehrten zum Wagen und in Winstons Wohnung zurück. Der Sekretär hatte eine Nachricht hinterlassen. Die Tasche war noch immer verschwunden. Und falls wir ihn brauchten, eine Nummer.

Wir zündeten ein Feuer im Kamin. Wähnte mich bald am Ziel meiner Wünsche. Mein schönes Feuerpferd, werde dir zeigen, was ein Cowboy kann. Ich öffnete eine Flasche Champagner. Sie aalte sich auf den Kissen vor dem Kamin.
"Wenn Sie alles langweilt, was Sie kaufen können, wollen Sie mich dann kaufen, damit ich Sie langweile? Ist das Ihre Religion?"Sie sah mich auffordernd an und löste ihren Haarschopf. Ich war einen Moment sprachlos über ihre Treffsicherheit.
"Nein, verstehen Sie mich nicht falsch", ich beschloss in die Defensive zu gehen. "Das war persönlich gemeint. Eine Befriedigung über eine Sache, die man kaufen kann, währt nur solang, bis man sie hat. Dann ist sie gleichgültig. Wir (?!) versuchen nur Ihren Schaden zu ersetzten und alles durch fachkundige Hände prüfen zu lassen. Es könnte sonst sein, daß Sie in die falschen Hände geraten."
"Das ist starker Tobak", sagte sie und das erinnerte mich daran, daß ich seit Stunden keine Zigarette geraucht hatte.
Ich suchte ein Päckchen Zigaretten und zündete mir eine an.
"Das einzige was den Wahrheitsgehalt Ihrer Geschichte untermauert ist", sie hielt mit dem Sprechen inne und blickte mich keck an, "...daß sie ein gutaussehender Mann sind."
"Wie meinen Sie das?", fragte ich.
"Ich steh immer noch unter Schock", sagte sie. "Wären Sie ein hässlicher Mann, hätte ich vielleicht einen Schreikrampf gekriegt."Ich lachte, angesichts der Vorstellung, daß vielleicht der steife Kragen so eine Braut aufreißt. "Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein Mann wie Sie es nötig hat, einer Frau mit solch einer Vorstellung zu imponieren."Sie räkelte sich auf den Kissen. Mit Hingabe hätte ich mich am liebsten gleich auf sie gestürzt. Was sie sagte passte kaum zu ihrer Körpersprache. Sie schwenkte mir ihr leeres Sektglas entgegen.
"Waren Schicksal, Religion und Politik", sagte sie. "Bleiben Sex und Kunst."
"Was machen Sie für Kunst?", fragte ich, um dann zum eigentlichem Thema zu kommen.
"Sie haben die letzten zwei Jahre aus dem Fenster geworfen. Was ich jetzt mache ist eine gute Frage."Sie erhob sich und legte leise Musik auf.
"Und Sex?", fragte ich.
"Sex!", sagte sie. "Damit wären wir wieder bei Politik. Als logischer Mensch und emanzipierte Frau müsste ich vor Ihrer machohaften Art davonlaufen. Als Weibchen finde ich Sie attraktiv und als Hündin machen Sie mich geil."Ihre Direktheit stimulierte mich. Sie zog sich die Schuhe aus und dehnte und streckte ihre Glieder. Wie eine Katze, die zum Sprung ansetzt. Sie schien mir rätselhaft und begehrenswert. "Wenn alles so geheimnisvoll ist, weswegen wollten Sie dann unbedingt mit mir Essen gehen?", fragte sie. Mich verwirrten ihre Gedankensprünge.
"Damit alles den Anschein der Harmlosigkeit weckt", erklärte ich. "Falls wir beobachtet worden sind, haben wir damit alle Zweifel verstreut."
"Und Ihr Auftritt am Telefon ", fragte sie, blieb vor mir stehen und ließ sanft im Takt zur Musik ihre Hüften kreisen. Ich zuckte nur die Schultern.
"Das tut mir leid!"
"Warum haben Sie mich gefragt, ob ich mit meinem Partner schlafe?"Jetzt, wo sie mich das fragte, wusste ich keine Antwort darauf. "Ist das für Ihre Mission von Wichtigkeit?"Als erwarte sie keine Antwort, ging sie zum Musikregal, studierte die Cover und legte eine andere Musik auf. "Wozu wollten Sie mich engagieren?", fragte sie weiter, ungeachtet dessen, daß ich die anderen Fragen nicht beantwortet hatte.
"Wenn Sie Künstlerin sind, als künstlerische Leiterin."
"Als Sie mich das fragten, wussten Sie das nicht!"
Ich legte mich behaglich in die weichen Kissen zurück und beobachtete sie aufmerksam. Sie kam zurück, stellte sich vor mich hin, zog ihre Seidenstrümpfe aus und warf sie auf mich hinunter. "Zurück zur Kunst", sagte sie.
"Kunst ist meistens Müll", sagte ich. "Vielleicht können Sie mir ein neues Kunstverständnis verschaffen."
"Nein ", sagte sie, "aus ganzem Herzen stimm ich Ihnen zu. Was für den einen Lebenselixier, ist für den anderen nur ein Stück Papier!"
"Jetzt klingen Sie poetisch!"
"Eben Künstlerin, das sollte mich doch inspirieren."
Sie machte eine neue Flasche Champagner auf und schenkte mir und sich nach. Das Feuer prasselte und die schöne Frau ging immer wieder, wie ein Tiger im Käfig umher. "Eigentlich muss ich Ihnen dankbar sein", sagte sie. Ich blickte sie an, gespannt, was sie gleich sagen würde. "Sie haben mich mit Koffergewalt ins wirkliche Leben zurückkatapultiert. Kunst ist für Sie Müll, Geld, Religion. Was bedeutet Ihnen Sex?"
"Sex ist Kunst, Religion und Politik", antwortete ich.
"Also, auch Müll?"
Einen Augenblick war ich von ihren Denkfolgen überrascht.
"Nein, eher Schicksal", sagte ich, was immer das auch heißen mochte.
"Schicksal", sie lachte spöttisch. "Als ich eine junge Frau war..."
Was zum Teufel glaubte sie denn jetzt zu sein?
"...hat mir jemand prophezeit, daß ich nur 23 würde. Ich bin älter geworden. Soviel zu Schicksal. Einen kleinen Augenblick heute, glaubte ich wirklich, in eine Verschwörung geraten zu sein...23 Ende."
Schöne Blume, mach dich zum Pflücken bereit. Sie tänzelte zum Takt der Musik und streichelte ihre langen Beine. Ihre aufreizende Bewegung machte mich scharf, meine Sinne pulsierten und meine Männlichkeit war gänzlich erwacht.
"Schöne Unbekannte, das Schicksal hat Sie mir zugespielt und in meiner Position ist es indiskutabel dieses in Frage zu stellen."Ich schüttelte die Kissen zur Aufforderung. "Entspannen Sie sich. Wenn Sie mich weiterfragen, muss ich Sie tatsächlich der Konspiration verdächtigen."Ich hatte wieder alle Fäden in der Hand. Gleich würde sich das schöne Biest auf mich stürzen. Sie trank ihr Glas Champagner aus und schenkte sich nach.
Wie viel Champagner kann eine Frau trinken, damit sie nicht ohnmächtig zu Boden stürzt? Je trunkener sie wurde, desto nüchterner schien sie zu werden!
"Was haben dann rasierte Beine mit allem zutun? ", fragte sie und stellte ein Bein auf meinen Brustkorb.
"Das ist ein Codewort", antwortete ich und umgriff ihre schmale Fessel. Die Beine, waren seidig weich und ich begann sie zu streicheln.
"Mach ich Sie scharf?", fragte sie.
Was für eine Frage!
"Sie sind das Schärfste, was ich je in diesem Land gesehen habe."
Sie löste ihr Bein aus meiner Umklammerung und ging einige Schritte von mir fort.
"Über welche Illusion wollen Sie erhaben sein?", fragte sie.
"Darüber, daß nur Amerikanerinnen bereit sind, für das Ansehen ihres Landes alles zu geben."Sie blickte überrascht. Ob sie das Spiel durchschaute? "Was sagt Ihnen Ihre Intuition?", fragte ich, auf dieses imaginäre Frauensyndrom anspielend.
"Das Sie mir ein Rätsel sind", sagte sie und stürzte den Rest ihres Glases hinunter. "Heute Morgen war ich noch ernsthafte Künstlerin, der nichts wichtiger als die Arbeit ist und wo finde ich mich wieder?" Sie schenkte sich neu ein. "Als läufige Hündin in einem Spionageroman?"
Ich lachte über die Vorstellung, die sie über sich selbst gab.
"Betrachten Sie mich als Kompensation", sagte ich. Ihre Augen funkelten im Feuerschein. Ihr Schatten tänzelte an der Wand.
"Sie bringen mich in eine schwierige Situation", sagte sie. "Mir wird ganz schwindelig davon. Logos sagt mir, daß ich davonlaufen sollte..., dann ist alles verloren. ...Eros sagt mir, daß ich mich auf sie stürzen sollte..., dann bin ich verloren..."
Was zögerst du schöne Künstlerin... Ich spürte die knisternde Energie in der Luft. Sie legte eine neue Kassette ein und begann vor mir zu tanzen. Ihr Tanz faszinierte mich. Sehnig streckte sie die Arme, ließ sich nieder gleiten. Wellen durchflossen ihre Arme und Beine. Sie tänzelte auf mich zu, lockte mich, den Blick unausweichlich auf mich gerichtet. Bot ihre Hände dar, schwingend im Takt der Musik. Ließ sie an ihren Körper zurückgleiten. Sie wandte sich von mir ab, bewegte sich zu gehen. Um gleich mit Schwung zurückzugleiten. Ich lehnte mich tiefer in die Kissen und ließ den wundervollen Tanz auf mich wirken. Ihr Tanz machte sie noch begehrenswerter. Ich sog sie mit den Augen auf. Ihren wilder Tanz, animalisch und anmutend zugleich. Ich schien sie mit den Augen zu verschlingen. Und als strauchelte sie, ließ sie sich stolpernd, lachend neben mir in die Kissen fallen.
"Was ist das für ein Tanz?", fragte ich den Blick auf ihre Lippen geheftet.
"Der Kampf zwischen Logos und Eros", sagte sie. "In der Mitte steht sie: die Frau. Eros hat gewonnen. Logos ist vom Champagner betäubt."Lachend küsste sie mich auf den Mund. "Ich habe ungeheuren Appetit", sagte sie. Die Leidenschaft erwachte. Wir stürzten aufeinander.
"Sagen Sie das noch einmal zu mir", sagte ich innehaltend.
"Was?", fragte sie, die schönen Augen auf meinen Mund geheftet.
"Kommen Sie!"
"Kommen Sie?", sagt sie lachend. "Kommen Sie!"Schöne Katze, zeriss mein Hemd in Fetzen. Stürmisch riss ich ihr das Kleid vom Leib. Bebend vor animalischer Lust. Ihr Körper bog sich vor Leidenschaft. Oh süße Gazelle, Jägers Fänge haben sich in dich gekrallt. Es gibt kein Zurück. Ihr weißes Fleisch in roter Spitze. Betörend und lasterhaft zugleich. Ihre süßen Brüste bebten vor Erregung. Meine stürmischen Küsse elektrisierten sie zugleich. Ich drang in sie ein.
"Ich bin noch Jungfrau", flüsterte sie mir ins Ohr.
Ungläubig wich ich zurück.
"Kleiner Scherz", raunt sie. Ihr herrliches Lachen strahlt mich an. Ein rhythmisches Beben. Erreichen den Gipfel der Lust.
"Ich vergehe... Ich verglühe..", flüstert sie mir ins Ohr. "Oh, ja, das ist wundervoll."Sie stöhnte und jauchzte, gab sich willig und frei. Ritt mich wie eine Königin, fügte sich wie eine Dienerin, stürzte sich auf mich, wie eine Tigerin. Mein Nektar floss in ihren Kelch. Ich weiß nicht was mich mehr berauschte, ihre Worte der Lust, ihr süßes Fleisch. Jeden Zentimeter ihres Körpers habe ich begehrt, jeden Zentimeter geküsst. Jede Zelle meines Körpers elektrisiert. Ich starb Dutzend Tode. Ihre kundigen Finger, ihre Zunge und ihr Körper entfachten stets neue Glut. Ihre Augen funkelten vor Lust. Eine Schlange und Katze zugleich. Oh, wundervoller Arsch.
"Eros ist hungrig", sagte sie. "Ich hatte zwei Jahre keinen Sex."
Ich glaubte ihr das kaum. Nackend ging sie auf den Balkon.
"Ich erliege einem irrsinnigen Traum", sagte sie, als ich ihr folgte, doch eine Decke mitnahm. "Wenn ich aufwache werde ich merken, daß ich im Zug eingeschlafen bin." Wir liebten uns im Stehen, taumelten wieder hinein. Tranken Champagner, aßen Obst und saugten Liebeswein. Ekstatisch frei von Raum und Zeit. Sie berührte, verführte und machte mich zornig zugleich. Ich leckte und liebte und bumste sie zugleich. Ihre Schenkel, mein Paradies. Sie verzehrte mein Verlangen. Wir philosophierten und fickten und bebten zugleich.
Beim Koitus hat sie mir Gedichte zelebriert. Körper und Wort im Rhythmus zugleich.............For I am divided for love' s sake, for the chance of union...
........... und immer wieder erweckt sie meine Leidenschaft. Vulkanisches Feuer und Erdbeben zu gleich. Sie sog mich auf und ich versank in ihr....

"23, meldet sich zur Stelle", sagte Winston lachend. "Ich nehme mal an, deine Verführungskünste haben Erfolg gehabt."
Schlagartig wurde ich hellwach.
"Wo ist sie?"
"Deine Begleiterin? Fort nehm ich mal an", sagte Winston.
"Teufel noch mal, ich weiß nicht mal ihren Namen!"
Ich sprang auf, suchte meine Kleider und wollte schon nackend hinausstürmen.
"Sunny, sie ist mindestens schon zwei Stunden fort, solange bin ich schon hier", sagte Winston. "Du hast sie nicht einmal nach ihrem Namen gefragt?"Winston grinste.
"Teufel noch mal. Ich bin seit drei Tagen, selten mehr als einen Meter von ihrer Seite gewichen. Ich muss sie suchen!"
"Was ist los Sunny, wo willst du hin?" Das wusste ich selber nicht genau. Wo sollte ich sie suchen?
"Wenn ich soviel Champagner getrunken hätte", sagte Winston grinsend: "würde ich selbst meine Mutter für die begehrenswerteste Frau der Welt halten."
"Winston, du bist mein bester Freund. Es ist etwas anderes."
"Sie scheint dich ja beeindruckt zu haben."Winston grinste und schenkte Whiskey ein. "Sie war gut im Bett?"
"Ich habe nie eine schönere Frau geliebt, eine wildere Tigerin gebumst oder größere Hure gefickt. Sie hat mir sogar Gedichte zitiert!"
"Hast du wenigstens Fotos von ihr gemacht?"
"Auf die Idee bin ich nicht einmal gekommen." Fassungslos darüber, daß sie einfach fort gegangen war, genehmigte ich mir noch einen Drink und erzählte Winston die ganze Geschichte. Er lachte, bis er vom Stuhl fiel. Mir blieb nur ein bitteres Grinsen.
"Wissenschaftlich gesehen", sagte Winston, nachdem sein Lachanfall vorüber war: "lautet die Erklärung: Biochemische Pheromonbombe. Wenn die Sexuallockstoffe zweier Menschen chemisch reagieren, wobei die Wahrscheinlichkeit Eins zu Einer million ist, geht die Bombe hoch und der Verstand zum Teufel. Wenn mir eine Frau nicht aus dem Kopf geht, stürze ich mich in Arbeit, oder... heirate sie."
"Dazu muss ich sie erst mal wiederfinden!"
Nun war Winston an der Reihe verblüfft zu sein. "Das von dir? Dann, Sunny, so unglaublich das auch klingt: du hast dich verliebt."
"Sie hat das gewisse Etwas. Die ultimative Frau. Ich habe sie gesehen. Ich will sie wiederhaben!"
Winston schüttelte nachdenklich den Kopf: "Gedichtezelebrierende Sexbestie gesucht. Lass sie festnehmen, wenn sie den Scheck einlöst!"
Ich stürzte ins Bad. Der Scheck lag noch da.

Meine letzte Nacht mit der Schönen ist nun zwei Wochen her. Schöne, wilde Künstlerin, hast mein Herz verwirrt. Ich lungere seitdem auf Bahnhöfen herum. Ich bin schon so oft mit der Eisenbahn Hamburg- Berlin gefahren, daß die Schaffner schon grüßen. Detektive brachten keine Resultate. Habe so viele Galerien besucht, daß ich schon fast ein Experte für moderne Kunst bin. Ein Buch über chinesische Astrologie gelesen. Nackter Sex- Appeal, mein schönes Feuerpferdchen, Reichtum ohne Sicherheit steht dort, schwarz auf weiß. Galoppiert es doch ständig dem eigenen Glück hinterher. Ungestüme Leidenschaft. Werde dir ein Museum bauen.
Heute Morgen habe ich den Blauschopf getroffen. Ich wollte ihm seine Handschellen zurückgeben, die ich seitdem bei mir trage.
"Nee, kannste behalten, die Frau hat mir vorhin paar neue gebracht."
"Wann war das?"
"Vor zwee Stunden."
Ich stürmte los, zu Winstons Wohnung zurück.

Als ich eintraf, war Carol, ebenfalls gerade angekommen, wütend dabei, ihre Kleider wieder in den Koffer zu stopfen.
"Was ist los?", fragte ich.
"Winston!", sagte sie. "Erzählt mir was von großer Liebe. Erst finde ich Stöckelschuhe und Schminkzeug im Bad und dann war dieses Flittchen da."
"Welches Flittchen?", fragte ich, unheimliches ahnend.
"Superschlank, mit superkurzem rotem Kleid. Gibt mir ein Foto, eine Visitenkarte und Winstons Mantel zurück. Ihre Tasche wäre noch fort. Sie hätte ein Bild für Sebastian Smith gemalt und ihm vergessen ihre Nummer mitzuteilen. Der Schuft. MIR hat er sich vor Jahren als WINSTON FUNGOD vorgestellt!"
"Carol, WO ist diese Karte?"
"Die habe ich mit dem Foto im Kamin verbrannt. Soll er sein Flittchen doch suchen!"Carol stutzte, als sie begriff: "DU bist Sebastian Smith?"
Ich stürzte zum Kamin, doch alles was ich in der Asche fand, war eine kleine unverbrannte rote Fotoecke, auf dessen Rückseite stand: LOGOSIEROS.

Aus dem Jäger ist die Beute geworden.

LOGOSIEROS. 1997. Sebastian Smith

EPILOG
Ex-Konstrukteur, Ex-Börsianer, Ex-Playboy, Autor sucht........
............wildes, rotes Feuerpferd.




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Datum der letzten Änderung: 29.02.2016